Stadtgeschichte
Büren in Westfalen
Aus der Geschichte der Stadt Büren
Der Name Büren (Buranon) wird erstmals 1015 urkundlich erwähnt. Dabei handelt es sich um ein Dorf am linken Almeufer im Bereich der heutigen Flurbezeichnung „Bühl“. Bemerkenswert ist die dem Hl. Gangolf geweihte Kapelle in unmittelbarer Nähe der Alme-Furt. Gründer dieser Kapelle dürfte im 9. Jahrhundert ein fränkischer Adliger gewesen sein. Das Patrozinium des Gangolf verweist auf eine Tränk- und Raststätte und trägt damit in auffälliger Weise zur Deutung des Ortsnamens Büren bei: „Bur“ für Herberge, Raststätte, eine Ansiedlung, deren Bewohner eine Versorgungsfunktion für den Fuhrwerks-Verkehr zu erfüllen hatten. An das Dorf Büren und die Gangolfskapelle erinnert heute ein Kreuz am Menkenberg.
Im 12. Jahrhundert treten im Gefolge der neuen weltlichen Amtswalter (Vögte) des Paderborner Bischofs, der Grafen von Schwalenberg, die Edelherren von Büren in die Geschichte ein. Über die Herkunft der Edelherren sind sich die Historiker nicht einig. Während sie für Heinrich Schoppmeyer aus dem Ort Deifeld bei Medebach stammen, führt Diether Pöppel (1930-2008) sie in seiner Stammtafel auf den Grafen Siddag und den Sachsenherzog Widukind zurück. Dieter Schnell (1941-2020) kommt in seinen Studien zu dem Ergebnis, dass sie ursprünglich im Raum des Reinhardswaldes im Großraum Hofgeismar sesshaft waren und in enger Verbindung zu Kloster Corvey standen. Ebenso wie die Grafen von Schwalenberg, denen sie als Vizevögte beigeordnet waren, zählen sie unbezweifelt zur Verwandtschaft des alten reichbegüterten um 1125 im Mannesstamm ausgestorbenen Grafenhauses von Itter. Um 1150 verschwägern sich die Edelherren von Büren mit dem bei Fürstenberg wohnenden mächtigen Corveyer Ministerialengeschlecht von Vesperde. Um diese Zeit bauen sie am Zusammenfluss von Alme und Afte in unmittelbarer Nähe eines Fernhandelsweges zwischen Lippstadt und Warburg bzw. Marsberg eine Burg. In einem engen Verhältnis stehen sie zu den Grafen von Arnsberg. Als die Schwalenberger die Vogtei über das Bistum Paderborn 1193 endgültig verlieren, müssen sich die Edelherren von Büren neu orientieren. Einem Zug der Zeit folgend gründen die Brüder Berthold und Dietmar von Büren 1195 die Stadt Büren. Sie übertragen ihre Besitzungen in Büren an die Paderborner Kirche und erhalten im Gegenzug vom Bischof Bernhard II. die Bewilligung zur Stadtgründung, einen Zuschuss zu den Befestigungskosten, das Münz- und Zollrecht sowie verschiedene Zehnte. Die Verfassung der Stadt wird nach dem Lippstädter Stadtrecht ausgerichtet.
Diese Stadtgründung verfolgt politische Interessen. Im Bewusstsein ihrer räumlich-politischen Lage zwischen dem zunehmend rivalisierenden Fürstbistum Paderborn einerseits und dem Erzstift Köln (zuvor Grafschaft Arnsberg) andererseits finden wir unsere Edelherren sozusagen als Puffer zwischen beiden Parteien. Auch in der Folgezeit treffen wir sie einmal in Paderborner, ein andermal in Kölner Gefolgschaft. Eine abhängige städtische Bürgerschaft sichert sowohl den Schutz der Bürener Burg als auch die Einkünfte der Edelherren. Nach der Stadtgründung entstehen zunächst ca. 30 Hausplätze an der Südseite der Burg. Eine erste Erweiterung der Stadt erfolgt bis 1220. Der aufsteigende Rücken zwischen Alme und Afte wird durch drei genau in Nord-Süd-Richtung ziehende Parallelstraßen (heute Rosen-, Burg- und Königstraße) erschlossen, die wiederum durch Querstraßen verbunden sind. Zwei der dadurch entstehenden großen Gevierte reserviert man für die Kirche St. Nikolaus und den Markt mit dem Rathaus. Aus topografischen Gründen wird westlich und östlich der drei Straßenschienen das Stadtareal bis an die Geländekante der beiden Flusstäler erweitert. Die gesamte Anlage wird mit einer Mauer umfasst und durch sieben Türme und fünf Stadttore, ebenfalls mit Türmen befestigt, verstärkt. Davon erhalten sind heute der Nordturm und der Hegensdorfer Turm, auch Eulenturm genannt. 1252 spricht eine Urkunde von zwei Bürener Neustädten. Diese zweite Stadterweiterung – für die es noch weitere Hinweise gibt – könnte sich über die Fläche südlich der Oberen Pforte beiderseits des Weges nach Siddinghausen (heute: zwischen Bruchstraße und Schanze) erstreckt haben. Über die Gründe, warum diese zweite Vergrößerung Bürens nicht gelang, kann nur spekuliert werden.
Anfang des 14. Jahrhunderts erreicht die Macht der Edelherren von Büren ihren Höhepunkt. Mit Wünnenberg gründen sie eine weitere Stadt. Ihr umfangreicher Grundbesitz reicht von Altengeseke im Westen über das Sintfeld bis in den Raum Dalheim. Ein zweiter Besitzschwerpunkt liegt im waldeckschen Sauerland um Düdinghausen, Deifeld und Grönebach. Durch zahlreiche Rechte (Frei-, Gogerichts-, Vogtei-, Forst- und Kirchenpatronatsrechte) erreichen sie eine Stellung, die einer Landesherrschaft gleicht. Staatliche Funktionen nehmen sie am deutlichsten gegenüber ihren Städten wahr. In ihren Ministerialen besitzen sie eine eigene kleine Kriegsmacht. Doch durch ein fehlendes „Staatsbewusstsein“, ständige Familienstreitigkeiten und ein gestörtes Verhältnis zur Bürener Bürgerschaft können sie sich letztlich dem übermächtigen Einfluss des Paderborner Bischofs nicht entziehen. Die Wewelsburger Linie der Edelherren muss ihren Anteil einschl. der Hälfte der Stadt Büren dem Bischof zunächst verpfänden und dann verkaufen. Damit hat die Bürener Bürgerschaft neben ihren Edelherren einen zweiten Stadtherrn: den jeweiligen Amtmann des Paderborner Bischofs.
Das Münzrecht und die Zolleinnahmen vor allem aus dem überörtlichen Fernhandel bilden die Grundlage, dass sich Büren sehr schnell von einer bäuerlichen zu einer handwerklichen und kaufmännischen Siedlungsgemeinschaft entwickelt. So sind im 13. Jahrhundert Bürener Bürger in Schuldbüchern des fernen Riga (Estland) zu finden. Schon sehr früh sind Juden in Büren ansässig. Nach einem Pogrom 1291/92, bei dem Edelherren und Bürger anscheinend gemeinsam gehandelt haben, erzwingt der Paderborner Bischof zur Sühneleistung den Bau der Sakramentskapelle. Das reiche Zunft- und Gildewesen der Stadt zeugt von regem Handel und Wandel. Als Beispiel sei hier die Katharinenbruderschaft von 1385 erwähnt, zu der alle gehörten, die nach Zirkel, Winkel und Richtholz arbeiteten. Das im Stadtarchiv erhaltene Bürgerbuch von 1562 teilt die Stadt in eine Wester-, Mittel- und Osterbauerschaft. Schon 1568 ist eine Wasserleitung belegt. Das Wasser wird aus der Quelle am Peipenbusch (Richtung Hegensdorf) in Holzröhren zu drei, später fünf Wasserbehältern („Kump“) geführt.
Auch in der Folgezeit gehören die Edelherren von Büren zu den mächtigsten Adelsgeschlechtern des Paderborner Landes. Zur Zeit der Reformation bekennen sie sich zum Kalvinismus und holen fremde Prediger in die Stadt und Herrschaft Büren. Der Dreißigjährige Krieg und später besonders der Siebenjährige Krieg fordern durch Einquartierungen und Abgaben große Opfer von der Bürener Bevölkerung. Ein dunkles Kapitel ist die Hexenverfolgung an Alme und Afte.
Als 1661 der letzte Bürener Edelherr Moritz stirbt, setzt er den Jesuitenorden als Erbe über die Herrschaft Büren ein. Dies führt zu Streitigkeiten mit den Seitenverwandten des Erblassers und mit dem Paderborner Bischof. Die Familie von Schencking (Dorothea Margaretha von der Malsburg, verheiratet mit Wilhelm von Schencking ist eine Nichte des Moritz) erhält ein Drittel des gesamten Vermögens. Damit Volbrexen und Geist ungeteilt bleiben können, werden die Rechte an Büren und Ringelstein geteilt. Der Schencking’sche Anteil an der Herrschaft Büren wird 1692 an den Kurfürsten von Brandenburg verkauft und 1698 von den Jesuiten zurückerworben. Erst 1714 gelangen diese nach einer Einigung mit dem Paderborner Bischof in den unbeschränkten Besitz der Herrschaft Büren und üben alle Rechte aus, insbesondere die Gerichtsbarkeit. Als bleibende Werke schaffen sie das Kollegiengebäude und die Kollegkirche Maria Immakulata, die noch heute das Stadtbild prägen. Durch die Auflösung des Jesuitenordens (1773) fällt der Besitz an den jeweiligen Landesherrn und ist heute als „Haus Büren’scher Fonds“ ein Sondervermögen des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Säkularisation des Fürstbistums Paderborn (1802) bringt den Übergang an das Königreich Preußen. Die rechtliche Gleichstellung alle Bürger in der „Franzosenzeit“ reformiert auch das Leben in Büren. 1816 wird Büren preußische Kreisstadt. 1825 kann im ehem. Jesuitenkolleg ein Lehrerseminar eröffnet werden. Nach der Auflösung 1925 findet hier eine Aufbauschule eine Bleibe, der nach dem Zweiten Weltkrieg das Mauritius-Gymnasium – über zwei Jahrzehnte wiederum von Jesuiten geleitet – folgt. Büren erhält ferner ein Amtsgericht und eine Schule für Gehörlose. Ein erweitertes und verbessertes Straßennetz, aber besonders der Bau der Eisenbahnstrecken nach Paderborn, Geseke und Brilon Ende des 19. Jahrhunderts schaffen beste Voraussetzungen für eine Wandlung der Ackerbürgerstadt zum Industriestandort. Ausgedehnte Sägewerke, große Zement- und Kalkwerke und die Fabrik von Berlep’schen Nistkästen setzen ihre Produkte im In- und Ausland ab. Eine Ziegelei mit Ringofenbetrieb, vier Wassermühlen und eine Brennerei arbeiten mehr für den lokalen Bedarf. Im Herbst 1908 wird das Elektrizitätsnetz fertiggestellt.
Durch die kommunale Neugliederung 1975 wird Büren mit den Gemeinden des Amtes Büren-Land = Ahden, Barkhausen, Brenken, Eickhoff, Harth, Hegensdorf, Siddinghausen, Steinhausen, Weiberg, Weine und Wewelsburg zur neuen Stadt Büren zusammengeschlossen. Büren verliert den Kreissitz, das Amtsgericht und weitere Einrichtungen. 2010 schließt das St. Nikolaus Hospital. Die Anbindung der Stadt an das Autobahnnetz, der Flughafen Paderborn-Lippstadt und die Ausweisung von Gewerbegebieten schaffen gute Standortbedingungen. Dabei ist die Struktur der Betriebe mannigfaltig.
Städtepartnerschaften bestehen mit Kortemark in Belgien (1981), Charenton in Frankreich (1989), Baruth in Brandenburg (1990), dem österreichischen Mittersill (1995) und Ignalina in Litauen (2003).
Die Stadt verfügt über zahlreiche Bildungseinrichtungen („Stadt der Schulen“), alle erforderlichen Einrichtungen der modernen Daseinsvorsorge und bietet ihren Bürgern ein hohes Maß an Wohn- und Freizeitwert. Von den zahlreichen aktiven Vereinen, die im Ehrenamt getragen werden, seien an dieser Stelle stellvertretend die „St. Sebastian Bruderschaft Büren in Westfalen von 1490“ und der „Bürener Bürgerschützenverein 1828 e.V.“ genannt.
Heute hat die Stadt Büren auf einer Gemarkungsfläche von 170,92 qkm 21.900 Einwohner, davon 8.500 in der Kernstadt.
Verwendete Literatur:
Reinhard Oberschelp, Die Edelherren von Büren, 1963
Siegfried Rudigkeit, Moritz von Büren und die Übernahme der Herrschaft Büren durch die Jesuiten, Heimatverein Büren, 1993
Dieter Schnell, Aufsätze aus „BÜREN – Einblicke in die historische Entwicklung“, Heimatverein Büren, 1994 und „Siddinghausen. Geschichte eines westfälischen Dorfes“, 2000
Heinrich Schoppmeyer, Büren im Mittelalter, Westfälische Zeitschrift 138. Band / 1988, S. 193 – 209
Zusammengefasst von Hans-Josef Dören



